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SantaBlock

Praktikant

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Date of registration: Jan 15th 2004

Location: Nicht von dieser Welt

1

Friday, May 13th 2005, 11:55am

Der arbeitslose Informatiker

Dies ist eine wahre Begebenheit so gesendet bei Monitor in der ARD (war da natürlich nachgestellt in bester Aktenzeichen XY Manier)

"Auf dem Arbeitsamt in Dachau"

Da mein Arbeitsverhältnis an der TU München aufgrund eines befristeten Arbeitsvertrages am 29.02.04 endete, nahm ich meine Rechte als deutscher Staatsbürger wahr und meldete mich arbeitslos. Um an das Arbeitslosengeld zu kommen, muss man sich allerdings einmal zwangsberaten lassen. Man bekommt also irgendwann mal eine schriftliche Einladung, bzw. Vorladung und muss dann zu diesem Termin erscheinen. Am Freitag, dem 05.03.04 fand also mein großer Auftritt in der Bundesagentur für Arbeit in Dachau statt.
Ich erscheine pünktlich um 10:00, klopfe an die Tür meiner persönlichen Beraterin, aber es ist noch niemand da. Ist auch nicht weiter schlimm, dann warte ich halt noch ein wenig. Kurz darauf kommt die Bundesagentin für Arbeit den Gang herunter, schließt die Tür auf, an der ich geklopft habe, und geht hinein.
Ich denke mir "coole Sache" und gehe hinterher. Ohne sich umzudrehen sagt sie: "Herr Streifinger" "Ja" "Sie haben einen Termin?" "Ja" "Sie werden aufgerufen!" Na gut, geh ich halt wieder raus und mach die Tür hinter mir zu.
Gleich drauf geht die Tür wieder auf: "Herr Streifinger!" GRMPF. Ich kämpfe ein wenig gegen meinen dicken Hals, beschließe aber, höflich zu bleiben und trete ein. Ich: Guten Morgen.
Bundesagentin für Arbeit: - Sie schaut mich nicht mal an. Starrt nur einige Minuten auf ihren Monitor und blättert irgenwo rum. Bundesagentin für Arbeit: Sie sind Diplom-Informatiker?
Ich: Ja. Sie versucht auch gar nicht, irgendwie höflich zu wirken. Sie spricht es nicht aus, aber es ist ganz klar: "Ich entscheide selber, zu wem ich höflich bin. Und Du lästiger arbeitsloser Winsler gehörst heute nicht dazu." Bundesagentin für Arbeit: Sie wollen eine Stelle als Projektingenieur? Pause. --- Das geht ja gar nicht! Ich: Warum soll das nicht gehen? Bundesagentin für Arbeit: Sie haben ja gar keine Ausbildung. Häää ??? Ich: Nun gut, ich habe promoviert. Ich glaub schon, dass das eine Ausbildung ist.
An dieser Stelle muss man anmerken, dass ich bereits bei meinem ersten Termin diverse Formulare ausgefüllt habe und meinen Lebenslauf natürlich mitsamt der Ausbildung ausführlich geschildert habe. Ebenso wie diverse sonstige Kenntnisse, die mich für eine etwaige Anstellung qualifizieren könnten. Bundesagentin für Arbeit: Sie sind Informatiker! Wie kommen Sie auf die Idee, eine Stelle als Projektingenieur zu bekommen? Ich: Naja, ich habe eben promoviert und denke, dass so eine Stelle ganz gut zu meiner Ausbildung passen würde. Bundesagentin für Arbeit: Ja was promoviert? Sind sie Techniker? Das ist zuviel. Ich muss laut lachen. Ja, klar. Ich hab mein Diplom gemacht und dann als Weiterbildung noch in drei Jahren den Techniker drangehängt. Eigentlich wollte ich noch meine Gesellenprüfung machen, bevor ich mir einen Job als Projektingenieur suche. Ich: Nein, ich bin kein Techniker. Ich habe promoviert. Ich habe eine Doktorarbeit geschrieben und bereits im Dezember eingereicht. Bundesagentin für Arbeit: Ja wie Doktor? Das hätten Sie schon angeben müssen. Ich habs angegeben... Ich: - Sie liest wieder auf Ihrem Monitor... Bundesagentin für Arbeit: Seit Dezember 2000 Promotion an der TU München. Ja und? Als was? Glauben Sie, das kann ich riechen? Riechen wirst Du's nicht können, aber lesen vielleicht. Ich hab's jedenfalls auch angegeben... Langsam geht's mir auf die Nerven... Ich versuche trotzdem ruhig zu bleiben. Wenn ich jetzt mit dem Fachgebiet Höchstfrequenztechnik ankomme, dreht die Agentin hohl... Ich: In Hochfrequenztechnik Bundesagentin für Arbeit: Ja und? Was ist das? Ich: Hochfrequenztechnik ist ein Teil der Elektrotechnik und die wiederum ist ein Ingenieursfach. Bundesagentin für Arbeit: Was haben Sie denn nun studiert? Macht die das mit Absicht?
Ich: Ich habe Informatik studiert und in Hochfrequenztechnik promoviert. Meine persönliche Agentin verzieht das --- nennen wir es Gesicht, schüttelt den Kopf, schnauft laut und tippt irgendwas in den Rechner. Bundesagentin für Arbeit: Was haben Sie für Berufserfahrung? Aha. Promotion in einem Ingenieursfach und eine Bewerbung als Projektingenieur geht also scheinbar zusammen. Oder sie hat aufgegeben. Wenn ich Ihr jetzt erzähle, dass ich frisch von der Uni komme und daher KEINE Berufserfahrung habe, platzt sie. Also bin ich gaaaanz vorsichtig. Ich: Was habe ich denn zur Auswahl? Oder soll ich einfach mal aufzählen, was ich alles gelernt habe? Bundesagentin für Arbeit: Ja, erzählen Sie mal. Mist. Das wird nicht leicht. Aber vorsichtig sein kommt gut an. Die Agentin wird etwas ruhiger. Ich: Puuh. Das ist ein weites Feld. Bundesagentin für Arbeit: Haben Sie PC-Kenntnisse? Neiiiin, ich muss sterben. Ich fall fast vom Stuhl vor lachen. Ich: Entschuldigung. Ich habe 5 Jahre Informatik studiert. Ich denke schon, dass ich PC-Kenntnisse hab. Lachen war nicht gut. Die Agentin verspannt sich wieder. Bundesagentin für Arbeit: Ja was können Sie denn? Na gut, ich versuche wieder ernst und freundlich zu bleiben. Ich: Ich habe sehr gute Kenntnisse in verschiedenen Office-Paketen, Datenbanken, Programmierung, ... Die Agentin fällt mir ins Wort. Ich glaub, sie hat irgendwas gehört, das sie auch kennt. Bundesagentin für Arbeit: Datenbanken? Welche Datenbenken kennen Sie denn? Ich: Alle. Jetzt ist sie richtig sauer. Sie schreit mich fast an. Bundesagentin für Arbeit: Alle? Wissen Sie eigentlich, wie viele Datenbanken es gibt? Soll ich etwa hinschreiben, ALLE?
Gibt's da echt so viele? Ich: Ich habe 5 Jahre lang Informatik studiert. Ich weiss ziemlich gut, wie viele Datenbanken es gibt. Wissen Sie, wie das Studium angelegt ist? Da lernt man die Grundlagen. Ich KANN mit ALLEN Datenbanken arbeiten. Jetzt ist sie beleidigt, oder sowas. Bundesagentin für Arbeit: Na gut, schreib ich rein ALLE. Nach einer kurzen Pause wird sie wieder unglaublich laut. Ich glaub, sie denkt, sie hat mich jetzt erwischt. Bundesagentin für Arbeit: Und Programmiersprachen? Soll ich da auch reinschreiben alle? Also eigentlich ist mir scheissegal, was Du da reinschreibst. Job bekomme ich von Euch eh keinen. Mit meinen PC-Kenntnissen reichts höchstens zur Sekretärin. Ich: Nein, nicht alle. C, C++, Cobol. Diverse Skriptsprachen, aber wieder zu viele, um sie aufzuzählen. Außerdem habe ich sehr gute Unix Kenntnisse. Bundesagentin für Arbeit: Was JUNIK? Was ist denn JUNIK? Doch, sicher. Das ist Absicht. Ich muss aber trotzdem ziemlich lachen. Das macht sie natürlich wieder sauer. Es wird wohl noch ein Weilchen dauern, bis ich ihr Lieblings-Arbeitsloser bin. Ich: Ich buchstabiere: U-N-I-X. Das ist ein Betriebssystem. Bundesagentin für Arbeit: Wenn Sie bei uns geführt werden wollen, dann müssen Sie mir schon diese Fragen beantworten. Wo willst Du mich denn hinführen? Ich: Ja schon klar. Ich denke aber, ich kümmere mich besser selber um einen Job. Sie brauchen mich nicht zu vermitteln. Dann wollte ich noch wissen, wann ich wohl mit meinem Arbeitslosengeld rechnen kann. Dazu konnte die mir aber keine Auskunft geben. Wahrscheinlich hatte sie auch gar keine Lust mehr.

MAX

Senior Schreiberling

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2

Friday, May 13th 2005, 3:32pm

Das ist schon etwas kras, aber so eine ähnliche Situation habe ich beim Ausländeramt erfahren. Es ging um die Aufenthaltsgenehmigung.
Ich hatte auch einen Termin und bin pünktlich erschienen. Ich wurde erst so ca. 15 min später hineingebeten.
Für die unbefristete Aufenthaltgenehmigung musste ich so alle meine Zeugnisse vorweisen und besonders nachweisen, dass ich mich in den letzten 5 Jahren tatsächlich in der Bundesrepublik Deutschland aufgehalten habe.
Ich habe selbstverständlich meine Schulzeugnisse, mein Abi-Zeignis und auch B.Sc. Zeugnis gezeigt. Dann fragte mich der Beamter, wo ich wohl die letzten drei Jahre war. Meine Antwort: Ich habe an der Uni Hannover Informatik studiert, hier ist mein Zeugnis, wie Sie sehen können. Dann antwortete der Beamte: Es steht aber nicht drauf, dass Sie in der Zeit die Uni besucht haben. Meine Antwort: Es geht etwas schlecht, ohne die Uni zu besuchen einen B.Sc. in Angewandte Informatik zu bekommen. Also ich war in den letzten drei Jahren an der Uni Hannover. Das wollte mir der Beamte nicht glauben. Ich war schon fast verzweifelt, weil er meinte, dass es kein Beweis wäre, dass ich mich tatsächlich in den letzten drei Jahren in Deutschland aufgehalten habe. Tja, zu meinem Glück hatte ich alle Studentenausweise dabei gehabt und konnte ihm tatsächlich die Sache nachweisen.
Ich muss sgen, dass ich sehr verwundert über so eine Sturrheit war. Daher meine Frage: Gilt etwa Uni Zeugnis nicht als Nachweis, dass man tatsächlich in der Bundesrepublik Deutschland studiert hat und dazu anwesend sein musste??? Oder sind die Beamten so dumm???
mfg
MAX

SethGecco

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3

Friday, May 13th 2005, 4:40pm

Echt geiler Bericht, habe mich paar mal echt weggeschmissen.

Hoffentlich ende ich nicht so.

iriania

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4

Friday, May 13th 2005, 9:24pm

nicht so wie die Beamtin?
...und sie dreht sich doch!

ktm

Erfahrener Schreiberling

5

Saturday, May 14th 2005, 12:21am

Quoted

Original von MAX
Daher meine Frage: Gilt etwa Uni Zeugnis nicht als Nachweis, dass man tatsächlich in der Bundesrepublik Deutschland studiert hat und dazu anwesend sein musste???

Gibt doch auch noch Fernstudien (wobei ich nicht weiss, ob die auch grenzübergreifend funktionieren).

und @Bericht: Klingt (leider gottes) authentisch, nach dem was ich als Behörden-Zivi erleben musste (hab noch nie soviele DAUs auf einem Haufen gesehen). Und Besserung seh ich da in absehbarer Zeit auch nicht, bis die komplette Generation in Rente ist...

Thor_Walez

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  • "Thor_Walez" is male

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Location: Hannover South Central

Occupation: Erst 2 Semester Ang. Inormatik, jetzt Wirtschafts Wissenschaften

6

Saturday, May 14th 2005, 3:06pm

Erinnert mich an meine eigene Arbeitsamterfahrung.

1) Arbeitslos gemeldet, Agentin (Anfang 30) sagt mir, dass ich kein Arbeitslosengeld kriege. Sie drückt mir noch Formulare in die Hand, damit ich Ausgaben für meine Unibewerbungen wie Beglaubigungen erstattet bekomme.

2) Nach ein paar Wochen ich wieder hin, drücke der Sachbearbeiterin meine Ausgabenformulare inklusive aller Rechnungen und Belege in die Hand. Sie schaut drauf und fragt mich, was sie damit soll? Na ja, eigentlich sollte man das schon wissen, wenn man bei der Bundesagentur für Arbeit "arbeitet". Ich erkläre es ihr und sie reicht mir alles zurück und sagt nur, da ich kein Arbeitslosengeld kriege, kriege ich auch nichts erstattet.

In dem Moment hätte ich am liebsten ein Lagerfeuer in ihrem Büro angezündet, um meine Erstattungsformulare feierlich zu verbrennen.