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planb

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05.03.2012, 01:19

(...)Und nur weil man in Niedersachsen ein bischen (ok, für viele ist es kein bischen) Studienbeträge zahlt, kann man nicht gleich Plüschsessel und Cocktails fordern. Es hat sich hier und da doch schon was verbessert - auch dies ist keine Befürwortung von Gebühren, doch wie hier schon jemand schrieb, wer die perfkte Lehre ohne ausreden will, der muss ganz andere Gebührenmaßstäbe ansetzen. Leider.


Bis zur Einführung von Studiengebühren war es gesellschaftspolitischer Konsens, dass eine der wichtigsten Ressourcen in diesem Land die Bildung ist. Was hat sich auf einmal daran geändert? Für viele sind 1000€ jährlich keine kleine Summe. In einem Halbsatz zu erwähnen, dass sich "hier und dort" schon etwas verbessert hat ist nahezu zynisch, wenn man bedenkt, dass diese Gebühren gehortet werden, ohne dafür einen Ziel anzugeben. Und wer fordert denn bitte "Plüschsessel und Cocktails"? Wozu eine solche Polemik? Es geht hier um die effektive Verbesserung der Lehre, anhand des Beispiels der ModSys-Veranstaltung.

Wenn auf politischer Ebene beschlossen werden kann bestimmte wirtschaftliche Branchen steuerlich zu begünstigen, wenn Kriege (aka. Friedensmissionen) geführt werden können, obwohl unser Grundgesetz besagt, dass dies verfassungswiedrig ist und riesige Rettungspakete für Banken durchgepeitscht werden können, wir aber gleichzeitig eine sozial selektive Bildungsgebühr einführen, dann messen wir der Bildung in diesem Land einen fatal niedrigen Stellenwert bei. Das finde ich empörenswert. Es werden Dinge finanziert die keinen Nutzen für einen Großteil der Bevölkerung hat. Warum sollte man also "Gebührenmaßstäbe" bei Dingen "ansetzen" die sich positiv auf alle Schichten der Bevölkerung auswirken können?
i never finish anyth

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Rick

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05.03.2012, 07:45

Kriege (aka. Friedensmissionen) geführt werden können, obwohl unser Grundgesetz besagt, dass dies verfassungswiedrig ist und riesige Rettungspakete für Banken durchgepeitscht werden können, wir aber gleichzeitig eine sozial selektive Bildungsgebühr einführen

Vermisch da mal nicht Landes- und Bundeslegislatur, grade wenn du selbst dich vorher über die Polemik anderer echausffierst.

Die Studiengebühren sind fast komplett auf dem Mist unseres ex-Bundespräsidenten und seinem Ministerpräsidentenvorgänger gewachsen. Viele andere Bundesländer haben dieses Experiment (trotz teilweise krtischer Haushaltalage) nicht mitgemacht.

Und zu behaupten es wäre nichts passiert, verhöhnt die Bemühungen derer, die sich seit Jahren überlegen wo diese Gebühren am Besten eingesetzt werden können um maximal Einfluss auf die Lehrqualität zu nehmen.

1000 Euro pro Student pro Jahr heisst in etwa eine Lehrperson auf 100 Studenten, wenn man Materialausgaben auf 0 reduziert. Das reicht vielleicht knapp um die beliebteren Bachelorstudiengänge mit dediziertem Lehrpersonal zu versorgen, aber für sonst nichts.
Derweil möchte ich darauf hinweisen, dass internationales Lehr- und Forschungspersonal einer Universität ein wichtiges Reichtum ist. Dass es dabei manchmal Verständigungsprobleme gibt, ist nunmal so, und es ist schade, dass sich Lehrende und Lernende sich in den letzten zehn Jahren noch keine alternative Lösung überlegt haben.

Wenn ich es richtig verstehe ist in dieser Vorlesung genug Zeit, dass Prof. Szczerbiczka alles fünfmal erklären kann. Das lässt genügend Raum es bilingual zu erklären.....

Sometimes you've got to ask yourself: Is xkcd shitty today?

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Bastian

Dies, das, einfach so verschiedene Dinge

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05.03.2012, 08:03

(...)Und nur weil man in Niedersachsen ein bischen (ok, für viele ist es kein bischen) Studienbeträge zahlt, kann man nicht gleich Plüschsessel und Cocktails fordern. Es hat sich hier und da doch schon was verbessert - auch dies ist keine Befürwortung von Gebühren, doch wie hier schon jemand schrieb, wer die perfkte Lehre ohne ausreden will, der muss ganz andere Gebührenmaßstäbe ansetzen. Leider.


Bis zur Einführung von Studiengebühren war es gesellschaftspolitischer Konsens, dass eine der wichtigsten Ressourcen in diesem Land die Bildung ist. Was hat sich auf einmal daran geändert? Für viele sind 1000€ jährlich keine kleine Summe. In einem Halbsatz zu erwähnen, dass sich "hier und dort" schon etwas verbessert hat ist nahezu zynisch, wenn man bedenkt, dass diese Gebühren gehortet werden, ohne dafür einen Ziel anzugeben. Und wer fordert denn bitte "Plüschsessel und Cocktails"? Wozu eine solche Polemik? Es geht hier um die effektive Verbesserung der Lehre, anhand des Beispiels der ModSys-Veranstaltung.

Wenn auf politischer Ebene beschlossen werden kann bestimmte wirtschaftliche Branchen steuerlich zu begünstigen, wenn Kriege (aka. Friedensmissionen) geführt werden können, obwohl unser Grundgesetz besagt, dass dies verfassungswiedrig ist und riesige Rettungspakete für Banken durchgepeitscht werden können, wir aber gleichzeitig eine sozial selektive Bildungsgebühr einführen, dann messen wir der Bildung in diesem Land einen fatal niedrigen Stellenwert bei. Das finde ich empörenswert. Es werden Dinge finanziert die keinen Nutzen für einen Großteil der Bevölkerung hat. Warum sollte man also "Gebührenmaßstäbe" bei Dingen "ansetzen" die sich positiv auf alle Schichten der Bevölkerung auswirken können?

Ich denke schon, dass ein gebührenfinanziertes Studium gut in die von Dir genannte Reihe von Steuersenkungen, Kriegseinsätzen sowie Bankenrettungspaketen passt. Die Funktion von Bildung in unserer Gesellschaft wird häufig idealisiert. Grundsätzlich hat sich aber seit Adam Smith nichts daran geändert, dass Bildung gesellschaftlichen und damit eben auch stark wirtschaftlichen Zwecken dient.
Du schreibst ja selbst von der Ressource Bildung, und die gilt es eben maximal auszubeuten.
Die Frage, wie es an der Uni läuft und wie es vielleicht wünschenswert wäre, hängt also nicht unerheblich von den gesellschaftlichen Bedingungen ab.

Benjamin

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05.03.2012, 09:32

<ontopic>
Es ist schön, dass über solche Mißstände gesprochen wird. Nur leider geraten solche Diskussionen "im Netz" unter gefühlter/leichter "Anonymität" immer vom Thema ab und zu Teilen leider auch noch in die verbale Gosse. Bleibt doch mal sachlich und denkt zweimal nach bevor man auf Abschicken klickt. Die Rückmeldung der Hörer ist heute wichtiger denn je. Die Lehrevaluation wird zumindest gefühlt auch immer ernster genomen. Nur um mal wie Rick aus "alten Zeiten zu zitieren, wo es jedes Jahr solch einen Thread gab": Es bringt noch mehr, wenn ihr das ganze auch noch persönlich den Dozenten vermittelt, denn die lesen dies hier größtenteils nicht. Zudem würde ich so eine Art der Äußerung wie hier als Dozent nicht mehr lesen - zu viel Schwafel/Offtopic und wo ist nun des Pudels Kern. Geht also direkt zu den Lehrenden oder aber geht den Umweg über eure hochschulpolitische Vertretung, den netten Fachrat. Auf jeden Fall hilft ein Meckerthread auf Dauer nix. Und ja, die Uni ist kein Dienstleistungsunternehmen, sehr schöne treffende Aussage.
</ontopic>

<meta>Wir Informatiker echauffieren uns so gerne/oft über Pädagogen und andere Laberfächer, doch wenn man dies hier liest, sind die meisten kein Stück besser. :)</meta>

<(slightly) offtopic>
Ich selbst kenne die Veranstaltung nicht, hatte aber selbst andere die ich kritisch sah. Es sollte lediglich zum Ausdruck kommen, dass bei uns schon etwas mit dem Geld passiert - pro/contra Studienbegühren ist offtopic. Wenn man aber mal vergleicht zu vor so einigen Jahren hat sich so einiges verbessert. Die unzähligen Gruppenübungen (Inf) heute im Vergleich zu schlechten Hörsaalübungen mit 130 Leuten und ohne Lerneffekt. Bezahlte Skripte (zumindest in der ET) statt sie in der VL selbst zu kaufen. ... und nur um es mal genannt zu haben: im Vergleich mussten zumindest zu Beginn die Sportstudies um jeden einzelnen Ball aus Studienbeträgen kämpfen. Die Informatik hat es schon gut, soll das heißen. Es könnte immer besser sein. Leider gehen aber auch die Forderungen der Studiumsempfänger immer höher seitdem das ganze so verschult ist. Ich wünschte jeder inkl. mir könnte mal ein Semester Studium (lateinisch studere: "(nach etwas) streben, sich (um etwas) bemühen") wie vor einigen Jahrzehnten erleben (Pflicht), um das alte selbstständige lernen und hören gegen die erweiterte Schule nach dem Abi heute mal vergleichen zu können. Ist zwar leider genauso offtopic, aber um mal ein paar soziale Worte zu verlieren: bevor man nach staatl. Finanzierung des Studiums Schulklasse 12+ schreit, was (sei es mal als sozial gerecht für jeden machbar angenommen) schließlich nur den "schlauen" Teil der Gesellschaft betrifft, sollten erstmal andere Bildungszweige - nämlich die Schulklassen <10 - nicht so an der leeren Hand verhungern, da dieses alle der Gesellschaft betrifft. Dort wird vereinfach gesagt mindestens genauso gespart: wer jemanden betroffenes kennt, soll mal nur nach dem Thema Inklusion fragen. leider total offtopic, wenn auch hoch interessant.</(slightly) offtopic>
Es gibt nur eine bessere Sache als auf dem Wasser zu sein: Noch mehr auf dem Wasser sein.

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planb

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05.03.2012, 16:23


Vermisch da mal nicht Landes- und Bundeslegislatur, grade wenn du selbst dich vorher über die Polemik anderer echausffierst.

Die Studiengebühren sind fast komplett auf dem Mist unseres ex-Bundespräsidenten und seinem Ministerpräsidentenvorgänger gewachsen. Viele andere Bundesländer haben dieses Experiment (trotz teilweise krtischer Haushaltalage) nicht mitgemacht.

Und zu behaupten es wäre nichts passiert, verhöhnt die Bemühungen derer, die sich seit Jahren überlegen wo diese Gebühren am Besten eingesetzt werden können um maximal Einfluss auf die Lehrqualität zu nehmen.

1000 Euro pro Student pro Jahr heisst in etwa eine Lehrperson auf 100 Studenten, wenn man Materialausgaben auf 0 reduziert. Das reicht vielleicht knapp um die beliebteren Bachelorstudiengänge mit dediziertem Lehrpersonal zu versorgen, aber für sonst nichts.
Derweil möchte ich darauf hinweisen, dass internationales Lehr- und Forschungspersonal einer Universität ein wichtiges Reichtum ist. Dass es dabei manchmal Verständigungsprobleme gibt, ist nunmal so, und es ist schade, dass sich Lehrende und Lernende sich in den letzten zehn Jahren noch keine alternative Lösung überlegt haben. (...)


Ich muss zugeben meine Äußerungen beinhalteten Polemik. Allerdings galt diese Polemik, der Verdeutlichung, dass die Finanzierung des Bildungssystem scheinbar nicht als gesamtgesellschaftliche Aufgabe angesehen wird. Die von mir kritisierte Polemik unterstellte ja, dass die "nörgelnden Studierenden" dekadente Forderungen aufstellen würden.Das ist meiner Ansiht nach ein gewaltiger Unterschied.

Außerdem war Niedersachsen nicht das einzige Bundesland, dass das Experiment Studiengebühren mitgemacht hat. Andere Landesreierungen waren bloß vernünftig genug wieder zurückzurudern. Die derzeitige Landesregierung sieht hier keinen Handlungsbedarf.

Mit deinem Punkt der Verhöhnung kann ich mich auch nicht anschließen. Für mich ist es ein Hohn erst pauschale Bildungsgebühren einzuführen, um dann Jahre zu brauchen, um überhaupt eine Idee zu entwickeln, wohin man diese investiert. Müsste es nicht genau umgekehrt laufen?`Müsste der Prozess nicht so ablaufen, dass von den Hochschulen, klar gesagt würde, wo Finanzierung notwendig ist, um dann zu entscheiden wie man diese Bewerkstelligt?

Dass 1000€ pro Student nicht ausreichen mag ja stimmen. Es geht mir auch nicht darum diese Gelder nicht aufzuwenden, aber sie an die Studierenden abzuwälzen halte ich für fatal. Hierbei werden Menschen nach ihrer Liquidität für ein Studium zugangsberechtigt. Das kann doch nicht der Weg sein!


Ich denke schon, dass ein gebührenfinanziertes Studium gut in die von Dir genannte Reihe von Steuersenkungen, Kriegseinsätzen sowie Bankenrettungspaketen passt. Die Funktion von Bildung in unserer Gesellschaft wird häufig idealisiert. Grundsätzlich hat sich aber seit Adam Smith nichts daran geändert, dass Bildung gesellschaftlichen und damit eben auch stark wirtschaftlichen Zwecken dient.
Du schreibst ja selbst von der Ressource Bildung, und die gilt es eben maximal auszubeuten.
Die Frage, wie es an der Uni läuft und wie es vielleicht wünschenswert wäre, hängt also nicht unerheblich von den gesellschaftlichen Bedingungen ab.


Wenn ich dich richtig verstehe, dann sollte Hochschulbildung also eine Ressource sein, die nur von denen in Anspruch gennommen werden (ausgebeutet?!) kann, die es sich leisten können? Na dann brauchen wir nicht weitersdiskutieren, denn konträrer könnten unsere Ansichten nicht aufgestellt sein.
i never finish anyth

Bastian

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05.03.2012, 18:00

Ich denke schon, dass ein gebührenfinanziertes Studium gut in die von Dir genannte Reihe von Steuersenkungen, Kriegseinsätzen sowie Bankenrettungspaketen passt. Die Funktion von Bildung in unserer Gesellschaft wird häufig idealisiert. Grundsätzlich hat sich aber seit Adam Smith nichts daran geändert, dass Bildung gesellschaftlichen und damit eben auch stark wirtschaftlichen Zwecken dient.
Du schreibst ja selbst von der Ressource Bildung, und die gilt es eben maximal auszubeuten.
Die Frage, wie es an der Uni läuft und wie es vielleicht wünschenswert wäre, hängt also nicht unerheblich von den gesellschaftlichen Bedingungen ab.


Wenn ich dich richtig verstehe, dann sollte Hochschulbildung also eine Ressource sein, die nur von denen in Anspruch gennommen werden (ausgebeutet?!) kann, die es sich leisten können? Na dann brauchen wir nicht weitersdiskutieren, denn konträrer könnten unsere Ansichten nicht aufgestellt sein.

Und ich dachte, wir könnten recht ähnliche Ansichten haben. ;)
Ich hatte halt bloß den Eindruck, dass bei Dir so ein gewisser Bildungsidealismus anklang (Stellenwert der Bildung, Nutzen für die Menschen), und ich finde, so ein Idealismus verklärt mehr die Umstände von Bildung in unserer Gesellschaft, als dass er ihre konkrete Funktion deutlich macht.
Mit dem Aspekt der Ausbeutung wollte ich auch nicht auf so etwas wie Bildung als Ware hinaus, was meiner Meinung nach deutlich überbewertet wird. Mir ging es darum, dass wie Du ja eigentlich schon richtig schriebst, Bildung eine Ressource ist, die ausgebeutet wird. Daher argumentieren Gegner und Befürworter von Studiengebühren auch regelmäßig mit dem selben Argument, nämlich ob Studiengebühren gut oder schlecht für den Standort seien. Auf den Punkt gebracht lautet die Frage dann nur noch, auf welche Weise sich das Humankapital besser verwerten lässt.

Kiki der Gecko

Regenbogeneidechse

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09.03.2012, 23:03

Um nochmal was zu den Folien zu sagen: Herr Drozda vom Sim macht ganz gute Folien, auf jeden Fall sehr viel aufgeräumter und auch strukturierter als das, was ich hier so gesehen habe. Vielleicht könnten die beiden sich in Puncto Folienüberarbeitung mal zusammen setzen ;)
"Alles ist eins - außer der Null." - Wau Holland